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"Winter's Bone" ist eine US-amerikanisches Drama aus dem Jahr 2010, von der Independentregiesseurin Debra Granik. Der Film entstammt einer Romanvorlage von Daniel Woodrell.
Länge: ca. 100 Minuten
Produktion: u.a. Alix Madigan
Also man liest ja nur gutes über den Film, also wirklich durchweg gutes. Eine
Independentregiesseurin, ein Film um eine starke, junge Frau, dazu noch eher unbekannte Schauspieler und dazu noch ein Drama. Klingt nach einem wahren
Geheimtipp. Da der Film von den Einspielergebnissen von 2010 nicht wirklich punkten konnte, wurde er aber dennoch hoch gelobt und mit vielen kleineren Filmpreisen beglückt. Ein verkannter Diamant vielleicht?
Wer sich auf "
Winter's Bone" einlässt, der wird schnell merken, dass es in diesem Film nichts zu lachen gibt. Das lässt vermutlich schon die Storyeinleitung vermuten. Eine Junge Frau, die sich um ihre zwei jüngeren Geschwister und ihrere katatonische Mutter kümmern muss und dann wird ihrr auch noch, durch die kriminelle Energie des Vaters, das Haus wegepfändet.
Wichtig hierbei ist das Umfeld
, in dem der Film spielt. Die
Ozark Mountains, welche den südlichen Teil von Missouri einnehmen, sind bedeckt von dichten, weit ausgedehnten Wäldern, grünen Wiesen und vereinzelten Mooren und Sümpfen. Wirklich große Städte sucht man hier vergebens und das erzeugt ein spürbares Gefühl von
Einsamkeit und
Isolation. Der großteil der Bewohner lebt auf dem Land, so auch die Familie von Ree. Man hat das nötigste was man braucht und die kleinsten lernen schon, wie man sich gegen wilde Tiere, mit einem Gewehr erwehrt. Der Begriff, der einem sofort für die Menschen dort einfällt ist natürlich "
Hillbilly". Wenn man die Menschen in dem Film betrachtet, kann man auch gar nicht anders, als sie so zu bezeichnen. Ehrlich gesagt wirkt jeder, der in der Story vorkommt so, als würde er einem bei einem falschen Wort eine Kugel durch den Kopf jagen.
Hier kommt dem Film zu Gute, dass
Granik sich entschieden hat, möglichst unbekannte Schauspieler zu nehmen. So hat man keinerlei, bis kaum Möglichkeiten in den Personen andere Charaktere zu erkennen. Die Mimiken und Gesten der Menschen sagen alles. So Ree in anderen Häusern nicht freundlich empfangen, sondern wird über 5 Meter Entfernung von der Haustür gefragt, was sie wolle und wer sie sei. Die Menschen sind vorsichtig, misstrauisch und introveriert, den Fremden gegenüber nicht sehr aufgeschlossen. Verschwiegen, aber stark und mit einem starken Gemeinschaftssinn für die Familie und Freunde. So gibt es doch eine nette Frau, die Ree mit Lebensmitteln unterstützt, wo andere nur wegschauen.

"Winter's Bone" ist DAS viel betiteltes
Sozialdrama, welchen die Menschen der ländlichen Regionen des mittleren Westens ungeschönt zeigt. Die Menschen am Rande der modernen
Gesellschaft, wo der viel gepriesene, typische "Amerikanische Traum" schon lange begraben ist und einer realistischeren Gedankenwelt weichen musste, damit man nicht vollends untergeht. Die junge Ree bewegt sich hier in einem
Milieu, welches oft gerne beschwiegen wird. Das Leben, die Menschen und die Umwelt wirkt kalt und ungemütlich. Granik hat ihr ein stilsicheres Gefühl für Atmosphäre, sei ein ein ein magerer Hund der durchs Bild läuft, ein Paar das ein Reh ausnimmt, Ketten die von einem Scheunenbalken hängen, oder ein unaufgräumter Platz wo Holz gehackt wurde. Eine fast farblose Inszenierung, über der ein Schleier aus Missmut hängt. Das bringt dem Film einiges an
Authentizität ein, was natürlich positiv ist. Allerdings ist der Zuschauer schon geprägt von dem Klischeebild der Hinterwäldler, wovon man hier natürlich einige Pradebeispiele geboten bekommt. Hier ist auch das Spiel von
Laiendarstellern ein kleiner Minuspunkt, weil ein latent-aggressives Spiel leicht überzogen und hölzern wirkt. Dennoch ist alles echt, so klischeehaft es auch wirken mag.
Gehen wir mal ein wenig mehr auf unsere Hauptdarstellering ein.
Jennifer Lawrence (22), eine bis dato eine eher unbekannte Schauspielerin, hat hier ihren großen Auftritt. So hat sie sich zwischen 2006 und 2009 vorallem als Serienschauspielerin verdient, vorallem in der ersten Folge von "Monk" und "Cold Case". "Winter's Bone" war ihr Sprungbrett in die Hollywood-Welt, was man an ihren starken Rollen in "X-Men: Erste Entscheidung (2011)" und vorallem "Die Tribute von Panem (2012)" sehen kann. Sie spielt hier die tapfere, pflichtbewusste
Ree Dolly, die nach mehrfachen Rückschlägen nicht müde wird, ihren Vater zu finden und das Grundstück der Familie zu retten. Dabei erschafft Granik und Lawrence selber eine starke, selbstbewusste
Frauenfigur, die ihres Gleichen sucht. Dieses Unterfangen ist kein leichtes, denn es gibt kaum Szenen in denen Ree nicht im Mittelpunkt steht, weshalb von ihr ein solides, standhaftes Schauspiel gefordert wird, was sie auch mit Bravour zeigt. So zeigt sie selten tiefe Emotionen, vorallem nicht im Zusammenspiel mit ihren Mitlandbewohnern. Hingegen blüht ihr Charakter erst in den ruhigen Szenen auf, wo sie im Schutze ihrer Familie ist. Eine, für mich, beispielhafte Szene ist die, wo ihre katatonische Mutter draußen unter einem Baum sitzt und Ree sie anfleht ihr doch zu helfen, weil ihr die ganze Sache einfach über den Kopf wächst. Diese schaut aber nur wortlos in den Wald hinein. Hier bricht das starke Frauenbild, welches sie den Film über bestätig vermittelt hat und zeigt die 17-jährige eine ganz andere, verletzliche Seite.
An ihrer Seite, ihr Onkel
Teardrop, der von
John Hawkes (From Dusk Till Dawn (1996), Identität (2003)) verkörpert wird. Dieser liefert ein gleichermaßen gutes Spiel ab, obwohl er Ree nicht von Anfang an wohlgesinnt ist. So kommt er ihr erst später wirklich zur Hilfe, ist aber immer hin und her gerissen, zwischen seiner Nichte und seiner
Vergangenheit, obwohl gerade er von vielen respektiert wird und Licht in das dunkle Schweigen bringen könnte.

Natürlich kommt auch ein viel prämierter Film nicht ohne
Schwächen aus. Eine schwäche des Films ist zumal die
Handlung, denn wer schon einmal ein Drama dieser Art gesehen hat, der hat mindestens nach einer halben Stunde spitz gekriegt, was nun mit Rees Vater passiert sein könnte. Gleichermaßen träge kommt auch die Handlung erst in Gange. Das ist auch der Punkt, wo mir nicht ganz klar wird, dass "Winter's Bone" oft als
Thriller beschrieben wird. Denn Spannungsaufbau wird hier erst sehr spät betrieben und das auch nur auf einem eher geringen Niveau, was mich zwischendurch wirklich langweilte. Granik wählte durchweg einen eher distanzierten, wenn nicht sogar nüchtenden Blick auf die Dinge die Geschehen und so kann der Zuschauer nicht direkt in involviert werden, was also auch kaum Spannung erzeugt und den Zuschauer kaum Mitleid, Schock oder Sympathie
empfinden lässt. Da verschenkt der Film einiges an Spannungspotential.
Antipathie empfindet man alledings ganz leicht, denn man hat in der gesamten Story nur Ree und ihren Geschwistern, denen man etwas Gutes wünscht. Und der netten Nachbarin vielleicht.
Zum anderen ist die
Handlung ab einem bestimmten Punkt recht
repetetiv. Vorallem, wenn Ree bei ihren Nachbarn nach ihrem Vater fragt und gesagt bekommt, dass sie es gut lassen soll und die Suche aufgeben soll. Dieses Gespräch kommt im strengen Sinne mehrmals vor, bis es in handfeste Handgreiflichkeiten gipfelt. Es läuft dann ungefär so ab; "
-Wisst ihr wo mein Vater ist? -Nein, geh weg., -Wisst ihr wo mein Vater ist? - Nein, geh weg., -Wisst ihr wo mein Vater ist? -Nein, geh weg., Wisst ihr wo mein Vater ist? -Nein, jetzt bist du fällig!" ... True Story. Auch der Ausgang wird manche Zuschauer auch mit nem verständnislosen Kopfschütteln zurücklassen.
Ein
Dämpfer bekommt der Film außerdem durch die eher schlichte deutsche
Synchronisation. Ich fand sie nur minder gelungen, weil viele Stimmen einfach unpassend wirken und nicht in die Atmosphäre passen. Ich hab auch angefangen mir den Film in der Originalsprache anzusehen, aber da bekommt man dann zu hören, was der Deutsche gerne als "
Brabbelenglisch" betitelt.
Fazit.
"Winter's Bone" ist ein erstklassiges Sozialdrama, mit einer starken Hauptdarstellerin mit Jennifer Lawrence in einem interessanten Milieu. Der Film wirkt leicht dokumentarisch und kann durch Authentizität und viele Laiendarsteller viel Atmosphäre aufbauen. Die Spannung des Dramas wird ein wenig durch die langsam ablaufende und zu lange Handlung gebremst, schafft es aber trotzdem immer mit zu schwingen. Wer ein Drama mit einer ausgeklügelten Handlung erwartet, der wird ein wenig ernüchtert sein. Trotz all der Lobreden auf den Film, hat er im Endeffekt nichts, an das man sich noch nach Jahren erinnern wird. Dennoch hat er mich über die gut 100 Minuten, gut unterhalten. Allerdings sollte sich jeder zu dem Film sein eigenes Urteil bilden, vorallem weil "Winter's Bone" einer neuen, talentierten Schauspielerin den Weg in die große Filmwelt geebnet hat.
Bis dahin - Tschödeldö
P.S.: Hier nochmal zur Erinnerung, dass es auf dem Blog von
Sailor Strawberry noch eine weitere Kritik zu "
Winter's Bone" gibt, seid gespannt was sie von dem Film hält. Schaut mal vorbei! :) Wer außerdem Lust bekommen hat, an dem Projekt teilzunehmen, der kann sich gerne bei ihr oder mir melden.