07.05.12

[52 Games] - Die Instrumetalisierung des Kindes


Immer wieder Montag. Und ihr wisst ja was das bedeutet.

#15 - Kinder
- Homefront (PS3) -


Schade eigentlich das gerade dieses Spiel mir als erstes in den Sinn kam. Muss daran liegen, dass ich es erst vor kurzem getestet habe. Aber vermutlich ist es auch ein Wink des Schicksals, das Zockwork Orange gerade dieses Thema gewählt hat.

Wer den Spieltitel "Homefront" liest und das Spiel kennt, oder Reviews davon gesehen hat, oder aufmerksam Gaming Blogs liest, der wird vermutlich wissen worum es nun gehen wird. In "Homefront" geht es erstmal darum, dass sich in einem fiktiven Zukunftsszenario Nord und Südkorea wieder vereinen und dann eine Invasion auf die Vereinigten Staaten gestartet  und nun auf dem Vormarsch sind. (Okay nach den jüngsten Ereignissen mit dem Raketenstart in Nordkorea klingt die Story noch weiter hergeholt). Jedenfalls stehen nun viele Teile der USA und der Militärherrschaft der Koreaner. Und die Jungs greifen ziemlich hart durch und machen natürlich auch Gefangene. Robert Jacobs ist der Hauptcharakter in diesem Spiel und wird auch gleich zu Anfang von koreanischen Truppen aus seiner Wohnung gezerrt, weil er mit seiner militärischen Ausbild ein potenzielles Mitglied der Rebellen darstellt. Er wird also mit anderen Inhaftierten in einen Bus gesperrt und weggebracht. Unterwegs sehen wir das Szenario des Krieges. Leute werden zusammengegetrieben, misshandelt, erschossen - Familien werden getrennt. Die markante Szene um die es gehen soll, passiert, als der Bus um eine Ecke biegt und zwei Soldaten einen Mann und eine Frau erschießen und ihr Kind hinter den Soldaten schreit und weint. Das letzte was man sieht und hört, als der Bus die Szene verlässt ist, dass das Kind weinend auf die Leichen seiner Eltern zugeht.

Zu sehen ist die Szene ab 1:30.

Ja wer hätte es gedacht, diese Szene ist natürlich wieder viel diskutiert worden und sie ist auch sehr kontrovers. Ich bin eigentlich der Letzte der Zensur bei Videospielen fordert, dennoch hat mir diese Szene sehr sauer aufgestoßen. Es ist klar, dass die Entwickler mit dieser gestellen Szenerie, die moralischen Abgründe und Grausamkeiten des Krieges darstellen wollen. Da kommt man mal wieder auf das alte Thema von ja oder nein, erlaubt oder nicht erlaubt, nötig oder unnötig. Das diese Szene unnötig ist, ist klar, denn die spielaktive Introsequenz hätte auch sehr gut ohne sie funktioniert. Das dem Mann am Anfang eine Papiertüte über den Kopf gezogen wird, um ihn zu ersticken hätte als Ausdruck der Unbarmherzigkeit und Härte schon gereicht. Niemand hat gesagt, dass Krieg ein Zuckerschlecken ist, aber in Spielen soll vorallem immernoch irgendwo Spaß machen, so falsch das bei einem Kriegsshooter vielleicht klingen mag. Vorallem die Instrumentalisierung von Kindern ist in "Homefront" so eine Sache. Denn im Gegensatz zu vielen anderen Kriegsshootern kommen hier recht häufig Kinder vor. Vorallem im Unterschlupf der Rebellenarmee gibt es einige davon. Es ist ähnlich wie in den Tierschutzwerbungen im Fernsehen. Man zeigt die großen Augen der kleinen Jungtiere und verletzte und leidende Tiere um instinktiv beim Zuschauer Mitleid und ein Unwohlsein zu wecken. 
Kinder haben meiner Meinung nach in einem Shooter nichts zu suchen, denn dort wird wirklich eine moralische Grenze überschritten, die nichts mehr mit dem Spielgefühl zu tun hat. Klar gehören auch Kinder zu einer intakten, funktionierenden Umwelt in Spielen. Sie geben ein Gefühl von Realtität in der Welt der Daten, doch muss es da und vorallem da auch irgendwo Grenzen geben. Im Horrorgenre sind Kinder ja auch oft Gang und Gäbe und vorallem schon ein stilistisches Mittel, was auch schon nicht richtig ist, wenn man es mal bedenkt.  In der Form von "Homefront" ist diese Intrumentalisierung aber nicht mehr zurechtfertigen und hat meiner Meinung nach nicht den gewünschten Effekt, denn man hätte erreichen sollen. Es gibt sicher Viele, die zu der Thematik eine andere Auffassung haben, aber Realismus hat auch seine Grenzen, denn Spiele sind dann irgendwann nicht mehr Spiele. 

Würde mich auch interessieren, was ihr davon haltet? Über ein Kommentar würde ich mich freuen.




Bis dahin - Tschödeldö



Kommentare:

  1. Ich liebe die Montagseinträge! Das Spiel kannte/kenne ich nicht, aber von der Szene habe sogar ich glaub ich mal irgendwie gehört. Ich persönlich.. nun, ich kenne sie nun nicht, habe das Spiel nicht gespielt - aber eigentlich finde ich die Szene unnötig (sofern man das beurteilen kann, ohne sich ein Bild gemacht zu haben - ich will jetzt nicht alle Shooter über einen Kamm scheren, aber nunja.. Kriegsshooter halt). Wenn die Kinder bzw diese Familie keine wichtige Rolle im Spiel selbst eingenommen haben, hört es sich für mich mehr nach "emotionalem Beiwerk um das Spiel dramatischer zu machen" an. Irgendwie schade.

    Beim Thema Kinder fiel mir spontan Bioshock ein, die little Sisters <3 hach.

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    1. Freut mich das dir die Montagseinträge gefallen. :)

      Irgendwie artet es auch in ein Wetteifern um die schockierensten Szenen aus. Mal sehen, wo das so hinführen wird.

      Stimmt, an Bioshock habe ich gar nicht gedacht. Aber ich kanns nicht nehmen, weil ichs selber nicht gespielt habe, sondern nur zugeguckt. Aber Bioshock sprach mich allgemein nicht sehr an. Doch auf "Infinite" bin ich sehr gespannt. :)

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  2. Hier finde ich den Mittelweg, den die aktuellen Fallout Spiele gehen, sehr gut. In einigen Städten gibt es Kinder als NPCs, denn die gehören zu einer lebendigen Spielwelt in der Tat dazu, aber es ist weder möglich, sie im Kampfsystem anzuvisieren, noch sie irgendwie anders zu töten, oder auch nur zu verletzen.

    Selbst in einem Spiel mit so grafischer Gewalt wie Fallout 3/New Vegas mag ich nicht sehen, wie ich ein Kind mit Hilfe einer Schrottflinte in eine blutige Masse verwandle. Diese Möglichkeit sollte es einfach gar nicht geben.

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    1. Interessant, das wusste ich gar nicht. Und wie ist das mit den anderen NPCs, als z.B für normale Erwachsene, gilt für die das gleiche?

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    2. Nein. Du kannst ganze Siedlungen ausrotten, wenn du das möchtest. Nur die Kinder-NPCs sind unverwundbar, hzw. reagieren auf deine Angriffe überhaupt nicht.

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    3. Das ist auch schon wieder so eine Sache die ich nicht verstehe. Wieso man es bei anderen kann, aber bei den Kindern dann nicht. Nicht das ich es gutheißen würde, aber es stört halt die Konsequenz des Spiels. Sinnvollerweise sollten die anderen NPC dann auch unverwundbar sein, da versucht man dann wieder auf der Moralschiene zu fahren.

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    4. Ja, man kann argumentieren, dass das die Illusion/Atmosphäre beeinträchtigt. Mich stört aber eigentlich nicht, dass hier eine Grenze gezogen wurde. Dass ist mir lieber als z.B. in der deutschen Version der alten Fallout Games, wo einfach alle Kinder aus dem Spiel entfernt wurden, was dazu führte, dass gewisse Quests unlösbar wurden.

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    5. Naja...gut. Wenn schon zensieren, dann kann man das ja auch mal sinnvoll machen. :D

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  3. Die besagte Kinderszene in Homefront finde ich auch komplett überflüssig. Und schon so frontal aufgesetzt und ins Gesicht geknallt, dass bei mir die Atmosphäre (die eigentlich im Spiel so gut hätte sein können)eher flöten ging, als das ich schrecklich geschockt war.

    Kinder in Shootern...vielleicht gibt es ja einen Entwickler, der mit dem richtigen Fingerspitzengefühl das Thema Kindersoldaten aufgreift. Ich wüsste zwar selber gerade nicht wie, aber würde es konsequenter Weise als das passende Genre ansehen. Kinder für billige Schockeffekte in gescripeten Szenen zu missbrauchen, ist dagegen schon eine Unverschämtheit.

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    1. Sollte man das Thema "Kindersoldaten" wirklich aufgreifen? Lieber nicht...

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    2. Wenn man Spiele als Spiele betrachtet, dann sollte man es vielleicht nicht aufgreifen.
      Wenn man Spiele als Kunstwerke oder Kulturgüter zur politischen Bildung auffasst, dann wird man nicht draumrumkommen.

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    3. Seit wann setzt man Spiele zur politischen Bildung ein?

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    4. Gezielt: seit mindestens 2007. Stichwort BPB - Medien
      Nebenbei: schon ewig. Oder würdest du sagen, dass Spiele wie Anno 2070, Civilization oder Spiele die sich auf geschichtliche Ereignisse beziehen absolut unpolitisch sind?

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    5. Da werd ich wohl mal nachforschen müssen.

      Das mit den Strategiespielen kann ich so genau nicht sagen, weil ich diese Spiele nie gespielt habe^^

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  4. Hab mir besagte Szene mal angesehen und muss sagen, früher hätte mich das wohl kaum gestört, aber seid ich selbst Vater bin, finde ich sowas total überflüssig.

    Wenn man sowas irgendwie logisch und mit viel Fingerspitzengefühl in das eigentliche Spielgeschehen integriert, kann das funktionieren, aber um in einer Cut-Scene einfach dem Spieler in die Magengrube zu treten? Nö, geht gar nicht!

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    1. Mit Fingerspitzengefühl vielleicht, also nicht so offensiv. In Heavy Rain fand ich die Sache ganz passabel gelöst.

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  5. Ich mache um Kriegsshooter einen großen Bogen, aber gerade deine beschriebene Instrumentalisierung von Kindern finde ich in den Kontext spannend, weil genau dies doch auch teilweise wirklich auch der Realität zuzutrauen ist. Die meisten Kriegsspiele wirken für mich als Außenstehende wie eine reine Idealisierung des Geschehens, egal wie viel Gewalt und Blut drinnen stecken. Lange Zeit war es ein ungeschriebenes Gesetzt in der Filmwelt, dass Kinder nicht sterben, aber so langsam wird auch davon Abstand genommen. Ich weiß nicht ob so etwas nicht einfach als Beiwerk unserer Zeit abzutun ist.

    Ich bin gegen eine Zensur. Ich bin für solche Szenen, gerade weil sie die Frage aufwerfen... kann man sowas zeigen? Ist das nicht zu brutal? Ist das nicht reine Szenenhascherei? Diese Diskussion, die dabei entstehen kann und die Fragen, die aufkommen, führen das Ganze auf eine komplett neue Ebene. Es geht nicht darum die Zustände als gut oder schlecht zu begreifen, sondern einfach nur einmal das über sie nachgedacht wird.

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    1. Echt? Da wurde in Filmen schon lange Abstand von genommen, denk ich mal. :D

      Damit gibt man ja den Entwicklern eine Generalausrede für solche Szenen. "Die Szene soll halt zum nachdenken anregen und diskutabel sein." Ich glaube damit erreicht man eigentlich nur, dass sich in der Richtung ein Standart einstellt.

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    2. Das sehe ich ähnlich. Mit solchen Szene sollen einfach auf billigem Wege beim Spieler Emotionen erzeugt werden. Mit Kinder geht das natürlich ganz einfach. Wie in der Mass Effect Demo. Ist die Reaper Invasion noch nicht erschreckend genug? Wie machen wir sie dem abgestumpften Spieler noch schmackhafter? Klar, wir lassen ein Kind sterben, dass der Speiler erst 5 Minuten vorher kennen gelernt hat.

      Das ist Bullshit!

      Eine gute Geschichte und ein gutes Spiel sind auf solche Tricks nicht angewiesen.

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    3. Ich glaube nicht, dass sich ein Standard einstellen lässt, wenn der Großteil der Gamerwelt dagegen ist ;)
      Die Entwickler wollen ja selbstverständlich nur Profit machen, aber es kommt auch auf die Leute an, die es zocken. Wenn Abstand von solchen Spielen genommen wird, dann wird es doch nicht rentabel sie überhaupt zu entwickeln. Klar, werden wir gegenüber Gewalt in den Medien immer abgestumpfter, aber dennoch werden noch solche Diskussionen losgetreten und zwar nicht von den Entwicklern, sondern von den Gamern.

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  6. Ich kann die Aufregung darüber nicht verstehen und halte Kinder in Videospielen für völlig legitime Charaktere. Spiele versuchen in den meisten Fällen bis zu einem gewissen Grad die Realität nachzubilden und in der gibt es nunmal auch Kinder. Die Szene und das Spiel kenne ich gut und zum einen halte ich Homefront für viel besser als sein Ruf und zum anderen fand ich die Inszenierung (inkl. des besagten Intros) für "stimmig". Ich war auch ein wenig geschockt, als ich die Szene damals "erlebte" und genau das wollten die Entwickler damit auch bewirken. Für mich war das eben ein symbolischer Moment, der zeigen sollte, dass Krieg grausam ist und das drückte er auch klar aus ohne zu übertreiben, verherrlichend oder effekthascherisch zu sein. Leider ging das Spiel dann nicht konsequent diesen (zugegeben sehr steinigen) "Anti-Kriegs"-Weg weiter, aber das ist eine andere Geschichte und das ist ein allgemeines Problem der ganzen Branche. Den Flughafen-Level von MW2 fand ich da wesentlich geschmack- und sinnloser.

    Derlei "stilistische Mittel" mögen nicht die Krönung anspruchsvoller Erzählkunst/gelungener Dramaturgie sein, aber ich halte es für unfair, sowas dem einen Medium zu verbieten und es in anderen (Film und Literatur) als völlig okay anzusehen. Das Medium Videospiel ist noch immer am Anfang seiner Entwicklung und zudem deutlich schwerer mit einer anspruchsvollen Thematik umzusetzen als die etablierten Medien, weil der Betrachter eben aktiv eingreifen kann. Das mag auf der einen Seite mehr Möglichkeiten bieten, aber macht es auch deutlich schwerer die Emotionen des Spielers vorher abzuschätzen/zu steuern. Zudem weiss der Spieler, dass es eben nur virtuelle Figuren sind. Bei Schauspieler. ist es schon allein darum einfacher eine erste Bindung, Sympathie und Antipathie aufzubauen.

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    1. Ohne zu übertreiben? Also bitte.
      Alles was Homefront in der Introszene gemacht hat, ist wie am laufenden Band die moralischen Abgründe des Krieges darzustellen. Das hat nichts mehr mit einer guten uns stimmigen Inzinierung zu tun. Wie du selbst sagst, ist das Spiel im Fortlauf mit der Thematik sehr inkonsequent, was diese Szenerei am Anfang noch unnötiger macht. Es fängt etwas, was es nicht weiterführen kann.
      Das Flughaven-Level bei MW2 (habe ich nicht gespielt), ist eine ganz andere Thematik und ist in das aktive Spiel mit eingebunden, deshalb ist sie ja so geschmacklos.

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    2. das machen hunderte Filme mit Kriegsthematik nicht anders, warum dürfen die das und ein Videospiel nicht?

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    3. Ich hab nicht gesagt, dass ich das bei Filmen gutheiße. Trotzdem gibt es Mittel und Wege das ganze besser darzustellen.

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  7. Mmmmh, ich habe Homefront nie gespielt, aber die Szene ist schon krass.
    Sowas muss nicht unbedingt sein, Drama(tik) und Atmosphäre kann man auch anders schaffen.
    Auch die Aussage, dass Krieg grausam ist, bekommt man anders übermittelt.

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